Fertigung auslagern 2026: Warum regionale Partner an Bedeutung gewinnen
Fachkräftemangel, Zölle, fragile Lieferketten: Wann sich das Auslagern von Kabelkonfektion und Baugruppenmontage an regionale Partner lohnt.
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Über unsFachkräfte fehlen, Löhne und Materialkosten steigen, und Handelskonflikte machen lange Lieferketten unberechenbar. Viele Industrieunternehmen stellen sich deshalb 2026 dieselbe Frage: Welche Fertigungsschritte müssen wir selbst machen – und welche gibt ein verlässlicher Partner in der Nähe besser ab? Gerade Kabelkonfektion und Baugruppenmontage sind dafür typische Kandidaten.
Fachkräfte: weniger Bewerber, mehr offene Fragen
Die konjunkturelle Schwäche hat den Personalbedarf vieler Betriebe gedämpft – gelöst ist der Fachkräftemangel damit aber nicht. Laut dem DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, für den knapp 22.000 Unternehmen befragt wurden, können 36 Prozent der Betriebe offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen. Das sind zwar sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, im Mittelstand liegt der Anteil aber weiterhin bei über 40 Prozent. Bei Herstellern elektrischer Ausrüstungen und im Maschinenbau sind es jeweils 38 Prozent, in der Elektrotechnik 36 Prozent.
Besonders gesucht sind Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung: 57 Prozent der Unternehmen mit Besetzungsproblemen finden keine passenden beruflich Qualifizierten. Und der Blick nach vorn ist nicht entspannter – 83 Prozent erwarten negative Folgen des Fachkräftemangels in den kommenden Jahren, etwa steigende Arbeitskosten, Mehrbelastung der Belegschaft und den Verlust von Erfahrungswissen durch Ruhestand.
Für die Metall- und Elektroindustrie hat das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am IW Köln berechnet, dass zwischen Januar und Dezember 2025 durchschnittlich mehr als 121.000 Fachkräfte in den Kernberufen fehlten. Rechnerisch konnte knapp jede zweite offene Stelle nicht besetzt werden.
Lieferketten: Zölle und Exportkontrollen als Dauerthema
Parallel dazu hat sich das Umfeld im Außenhandel spürbar verschärft. In der DIHK-Umfrage „Going International 2026“ berichten 69 Prozent der rund 2.400 international aktiven Unternehmen von zunehmenden Handelshemmnissen – der höchste Wert seit Beginn der Umfrage. Zwei Drittel der Betroffenen nennen steigende Zölle, vor allem im Handel mit den USA; hinzu kommen verschärfte Exportkontrollen, Sanktionen und zusätzliche Zertifizierungsanforderungen.
Wie verwundbar Lieferketten sind, zeigte im Herbst 2025 die Krise um den Halbleiterhersteller Nexperia: Nach einem politischen Streit zwischen den Niederlanden und China gerieten Lieferungen einfacher, aber kaum ersetzbarer Standardchips ins Stocken, und die Autoindustrie warnte vor Produktionseinschränkungen. Das Beispiel betrifft Halbleiter, nicht Kabelsätze – die Lehre für den Einkauf ist aber übertragbar: Wer bei einem kritischen Teil nur eine ferne Bezugsquelle hat, trägt ein erhebliches Risiko.
Viele Unternehmen setzen deshalb verstärkt auf Diversifizierung, zweite Lieferanten und kürzere Wege. Ob man das „Reshoring“ oder „Nearshoring“ nennt: Es geht darum, Abhängigkeiten zu verringern, ohne die Kosten aus dem Blick zu verlieren.
Make or Buy: nach welchen Kriterien entscheiden?
Nicht jeder Arbeitsschritt eignet sich zur Auslagerung. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, wohl aber einige Fragen, die sich bewährt haben:
- Kernkompetenz: Ist der Schritt ein echtes Alleinstellungsmerkmal – oder notwendige, aber austauschbare Handarbeit?
- Personal und Auslastung: Binden Montage- und Lötarbeiten Fachkräfte, die an anderer Stelle dringender gebraucht werden? Schwankt der Bedarf stark?
- Gesamtkosten statt Stückpreis: Neben Lohn und Material zählen Prüfaufwand, Ausschuss, Lagerhaltung, Fracht, Zoll, Reisen und Abstimmungszeit.
- Know-how-Schutz: Wie sensibel sind Zeichnungen und Prüfvorgaben, und wem vertraut man sie an?
- Änderungshäufigkeit: Ändern sich Varianten oft, zählt ein Partner, der schnell reagieren kann, mehr als der letzte Cent im Einkauf.
Regional oder Fernost – ein nüchterner Vergleich
Fertigung in Asien kann bei großen, stabilen Stückzahlen weiterhin wirtschaftlich sein. Bei kleineren Serien, vielen Varianten und hohen Qualitätsanforderungen verschiebt sich die Rechnung jedoch häufig zugunsten regionaler Partner.
| Kriterium | Regionaler Partner | Fertigung in Fernost |
|---|---|---|
| Stückpreis | meist höher | bei großen Serien oft niedriger |
| Transport & Zoll | kurze Wege, kein Einfuhrzoll | Fracht, Zoll, Kapitalbindung durch lange Transitzeiten |
| Reaktion auf Änderungen | schnell, persönliche Abstimmung | langsamer, Zeitverschiebung und Sprachbarrieren |
| Kleine Serien & Prototypen | gut geeignet | oft unwirtschaftlich (Mindestmengen) |
| Qualitätskontrolle | Besuch vor Ort unkompliziert | aufwendige Audits, Wareneingangsprüfung |
| Geopolitisches Risiko | gering | Zölle, Exportkontrollen, Transportstörungen |
Worauf es bei der Partnerwahl ankommt
Ein Fertigungspartner übernimmt Verantwortung für einen Teil Ihres Produkts. Entsprechend sorgfältig sollte die Auswahl sein:
- Erfahrung mit ähnlichen Aufgaben: Kabelkonfektion, Löten und Baugruppenmontage sind Präzisionsarbeit. Fragen Sie nach vergleichbaren Projekten und Arbeitsumfängen.
- Prüfkonzept: Wie wird geprüft – stichprobenartig oder jede Verbindung? Wie werden Ergebnisse dokumentiert?
- Beschaffung: Kann der Partner Teile selbst beschaffen, oder müssen Sie beistellen?
- Personelle Stabilität: Eine eingespielte Stammbelegschaft ist ein guter Hinweis auf gleichbleibende Qualität.
- Ehrliche Kommunikation: Ein guter Partner sagt auch, wenn etwas nicht passt oder anders besser geht.
- Erreichbarkeit: Ein fester Ansprechpartner und kurze Wege sparen im Alltag viel Zeit.
Auslagern heißt nicht, Kontrolle abzugeben. Wer einen Partner in der Nähe hat, kann jederzeit vorbeikommen, nachfragen und gemeinsam verbessern – das schafft Vertrauen, das keine Fernbeziehung ersetzt.
Einschätzung der Filip Kabelmontage
Typischer Ablauf einer Verlagerung
- Bestandsaufnahme: Welche Baugruppen oder Kabelsätze kommen infrage? Zeichnungen, Stücklisten, Prüfvorgaben und Mengen werden zusammengestellt.
- Anfrage und Beratung: Der Partner prüft die Unterlagen, klärt offene Punkte und gibt eine realistische Einschätzung zu Machbarkeit und Aufwand.
- Angebot: Inklusive Klärung, wer Teile beschafft und wie geprüft und verpackt wird.
- Muster oder Prototyp: Eine erste Fertigung zeigt, ob Ergebnis und Prüfkriterien passen.
- Freigabe: Nach Abnahme des Musters werden Details festgeschrieben.
- Serienfertigung: Lieferung in der gewünschten Stückzahl – mit regelmäßiger Abstimmung, damit Änderungen sauber einfließen.
Sinnvoll ist oft ein schrittweiser Einstieg: zunächst ein überschaubares Produkt, dann – wenn die Zusammenarbeit funktioniert – weitere Umfänge.
Unser Fazit
Fachkräftemangel, Kostendruck und unsichere Handelswege werden 2026 nicht verschwinden. Wer Fertigungsschritte wie Kabelkonfektion oder Baugruppenmontage auslagert, kann eigene Fachkräfte entlasten und Abhängigkeiten von fernen Lieferketten verringern. Entscheidend ist eine ehrliche Make-or-Buy-Rechnung auf Basis der Gesamtkosten – und ein Partner, dem man vertraut.
Als familiengeführter Betrieb aus Villingen-Schwenningen arbeiten wir seit über 20 Jahren als verlängerte Werkbank für Industrieunternehmen aus Süddeutschland. Wir übernehmen komplette Fertigungsschritte – auch Abläufe mit weit über 1.000 Arbeitsschritten –, beschaffen auf Wunsch die Teile, fertigen nach Zeichnung, prüfen jede Verbindung und liefern vom Prototyp bis zur Serie. Viele unserer Fachkräfte sind seit Jahren bei uns. Wenn Sie überlegen, ob Auslagern für Sie infrage kommt, beraten wir Sie offen und ehrlich – auch dann, wenn die Antwort „lieber selbst machen“ lautet.
Quellen und weiterführende Informationen
- DIHK: DIHK legt Fachkräftereport 2025/2026 vor (Dezember 2025)
- KOFA am IW Köln: Fachkräfte für die Metall- und Elektroindustrie
- DIHK: Going International 2026 – Handelshemmnisse auf Rekordniveau
- technik+EINKAUF: Chipkrise 2.0 – Hintergründe zur Nexperia-Lieferkrise (Dezember 2025)
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Engpassanalyse
Dieser Beitrag gibt den öffentlich bekannten Stand vom September 2026 vereinfacht wieder.