Filip Löt- und Kabelmontage

IPC/WHMA-A-620 Revision F: Der Standard für Kabelkonfektionen

IPC/WHMA-A-620 Revision F seit Oktober 2025: Was der Standard für Kabelkonfektionen regelt, was Klasse 1, 2 und 3 bedeuten und warum sie in die Anfrage gehört.

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Wer Kabel oder Kabelbäume zukauft, stößt in Zeichnungen und Lastenheften immer häufiger auf den Hinweis „IPC/WHMA-A-620“. Seit dem 1. Oktober 2025 liegt der Standard in der Revision F vor. Was er regelt, was die drei Produktklassen bedeuten, wie er sich von IPC-A-610 und J-STD-001 abgrenzt – und warum eine klare Klassenangabe in der Anfrage viel Abstimmungsaufwand spart.

Was ist IPC/WHMA-A-620?

IPC/WHMA-A-620 trägt den Titel „Requirements and Acceptance for Cable and Wire Harness Assemblies“. Herausgegeben wird er gemeinsam von IPC, dem internationalen Branchenverband der Elektronikfertigung, und der Wire Harness Manufacturers Association (WHMA). Die Herausgeber bezeichnen ihn als einzigen branchenweiten Konsensstandard für Anforderungen und Abnahmekriterien bei Kabel- und Kabelbaumkonfektionen. Die erste Ausgabe erschien 2002.

Inhaltlich beschreibt der Standard Materialien, Verfahren, Prüfungen und Abnahmekriterien für gecrimpte, mechanisch gesicherte und gelötete Verbindungen sowie die zugehörigen Montageschritte. Er ist damit kein Konstruktionsleitfaden, sondern vor allem ein gemeinsamer Maßstab: Was gilt als „akzeptabel“, was als „Fehler“ – und zwar nachvollziehbar für Auftraggeber, Fertiger und Wareneingangsprüfung gleichermaßen.

Revision F: seit Oktober 2025 aktuell

Die Revision F von IPC/WHMA-A-620 ist mit Ausgabedatum 1. Oktober 2025 erschienen und löst die Revision E aus dem Jahr 2022 ab. Normenhändler wie DIN Media führen sie mit einem Umfang von 326 Seiten. Nach Angaben aus dem Umfeld der Herausgeber und von Schulungsanbietern betreffen die Änderungen vor allem:

  • präzisierte Begriffe und Definitionen, die stärker an IPC-A-610 und J-STD-001 angeglichen wurden,
  • überarbeitete und ergänzte Abnahmekriterien,
  • zahlreiche aktualisierte oder neu aufgenommene Abbildungen zur besseren Verständlichkeit.

Welche einzelnen Kriterien sich im Detail verschoben haben, lässt sich nur am Normtext selbst verlässlich prüfen. Wer bisher auf Revision E referenziert, sollte bei neuen Projekten klären, welche Ausgabe vertraglich gelten soll – ein pauschales „aktuelle Fassung“ kann bei laufenden Serien zu Missverständnissen führen.

Was der Standard regelt

A-620 deckt nahezu die gesamte Prozesskette einer Kabelkonfektion ab. Zu den behandelten Themen gehören unter anderem:

  • Vorbereitung und Abisolieren: Beschädigungen von Leitern und Isolation, Litzenzustand, Verzinnen.
  • Crimpverbindungen: Lage des Leiters im Crimpbereich, Isolationscrimp, Sichtprüfkriterien für Crimphülsen und Kontakte.
  • Löten: Lötverbindungen an Anschlüssen und Kontakten, Benetzung, Isolationsabstand.
  • Weitere Verbindungstechniken: Ultraschallschweißen und Spleiße.
  • Steckverbinder, Schirmung und Umspritzung: Montage, Schirmanbindung, Overmolding.
  • Kennzeichnung, Bündelung und Schutzhüllen: Beschriftung, Kabelbinder, Schläuche und Ummantelungen.
  • Prüfung: elektrische Tests wie Durchgang und Kurzschluss sowie – je nach Klasse und Aufbau – Isolationswiderstand und Spannungsfestigkeit, dazu mechanische Prüfungen.

Die drei Produktklassen

Wie die übrigen IPC-Fertigungsstandards unterscheidet A-620 drei Produktklassen. Sie beschreiben nicht die „Güte“ eines Herstellers, sondern die Anforderungen der Endanwendung. Je höher die Klasse, desto enger die Abnahmekriterien und desto umfangreicher in der Regel die Prüfungen.

Vergleich der Produktklassen 1, 2 und 3 nach IPC/WHMA-A-620
MerkmalKlasse 1Klasse 2Klasse 3
BezeichnungAllgemeine elektronische ProdukteProdukte für den dauerhaften Einsatz (Dedicated Service)Hochleistungsprodukte / raue Umgebung
KernanforderungFunktion steht im VordergrundDauerhafte Leistung und lange LebensdauerDurchgängige Leistung bzw. Funktion auf Abruf ist kritisch
Typische Beispieleeinfache KonsumgüterKommunikations-, Industrie- und BürotechnikMedizin-, Luftfahrt- und Wehrtechnik, sicherheitskritische Systeme
Abnahmekriterienam wenigsten strengmittelam strengsten
Prüfaufwandgeringerhöhthoch, oft mit zusätzlichen elektrischen Prüfungen
Produktklassen nach IPC/WHMA-A-620 (vereinfachte Darstellung)

Die Beispiele sind Orientierungswerte aus der Praxis. Ein Kabelsatz für eine Industriemaschine kann je nach Einsatz sehr wohl Klasse-3-Kriterien erfordern – maßgeblich ist, was ein Ausfall im Feld bedeuten würde.

Abgrenzung zu IPC-A-610 und J-STD-001

Die drei Dokumente werden oft in einem Atemzug genannt, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte:

  • IPC/WHMA-A-620 bezieht sich auf Kabel, Leitungen und Kabelbäume – mit Anforderungen und Abnahmekriterien in einem Dokument.
  • IPC-A-610 („Acceptability of Electronic Assemblies“) ist der Abnahmestandard für bestückte Leiterplatten und elektronische Baugruppen. Er beschreibt, wie das fertige Ergebnis aussehen muss.
  • J-STD-001 legt Anforderungen an gelötete elektrische und elektronische Baugruppen fest und richtet den Blick stärker auf Materialien, Verfahren und Prozess.

Vereinfacht: A-620 für den Kabelbaum, A-610 für die Leiterplatte, J-STD-001 für den Lötprozess. Da alle drei dasselbe Klassenmodell nutzen und Revision F die Begriffe weiter angleicht, lassen sich Anforderungen für ein Gerät mit Elektronik und Verkabelung konsistent formulieren.

Eine fehlende Klassenangabe ist selten ein Qualitätsproblem der Fertigung – aber fast immer ein Kommunikationsproblem zwischen Anfrage und Angebot.

Einschätzung der Filip Kabelmontage

Warum Einkäufer die Klasse angeben sollten

Laut Standard liegt die Verantwortung für die Festlegung der Klasse beim Anwender, also in der Regel beim Auftraggeber. Legt dieser keine Klasse fest und dokumentiert sie nicht, darf das der Hersteller tun. Das hat praktische Folgen:

  1. Vergleichbare Angebote: Prüfumfang, Dokumentation und Ausschussrisiko unterscheiden sich je Klasse. Ohne Angabe kalkulieren Anbieter auf unterschiedlicher Basis.
  2. Klare Abnahme: Wareneingang und Lieferant bewerten dieselbe Verbindung nach denselben Kriterien – Diskussionen über „noch in Ordnung“ entfallen.
  3. Angemessene Kosten: Klasse 3 für ein unkritisches Bauteil treibt den Preis, Klasse 1 für eine sicherheitsrelevante Anwendung erhöht das Risiko.
  4. Eindeutige Ausgabe: Neben der Klasse sollte die geltende Revision (z. B. F) genannt werden, ebenso eventuelle Abweichungen oder Zusatzanforderungen aus Zeichnung oder Kundenspezifikation.

Gut ist eine Anfrage, die neben Zeichnung und Stückliste Klasse, Revision, geforderte Prüfungen und Dokumentationsumfang enthält. Kundenspezifische Vorgaben gehen dabei üblicherweise dem allgemeinen Standard vor – das sollte vertraglich eindeutig geregelt sein.

Unser Fazit

IPC/WHMA-A-620 schafft eine gemeinsame Sprache für Qualität in der Kabelkonfektion, und die Revision F schärft vor allem Begriffe, Kriterien und Abbildungen. Den größten Nutzen hat der Standard, wenn Auftraggeber früh festlegen, welche Klasse und welche Ausgabe gelten.

Wir fertigen Kabel- und Baugruppenmontagen nach Zeichnung und Spezifikation – vom Muster bis zur Serie. Löt-, Schneid-, Klemm- und Crimptechnik stimmen wir auf Querschnitt, Kontakttyp und mechanische Belastung ab, und jede Verbindung wird vor der Auslieferung geprüft. Sprechen Sie uns an, welche Anforderungen und Abnahmekriterien für Ihr Projekt gelten – wir klären offen, was wir umsetzen können.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Beitrag gibt den öffentlich bekannten Stand vom September 2026 vereinfacht wieder und ersetzt nicht den Normtext.